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Der Transfer zwischen dem Camp Okavango und der Xugana Island Lodge auf einem Hochgeschwindigkeitsboot dauert knapp 40 Minuten. Auf der Strecke sehen wir eine grosse Anzahl wildlebender Tiere. Scheue Moorantilopen grasen vorsichtig auf einer Ueberschwemmungsebene und springen davon, als wir vorbeifahren. Auch die Vogelwelt ist ueberwaeltigend. Ein Schreiseeadler sitzt auf einem Ast. Weiterhin koennen wir Eisvoegel, Kormorane und einen grossen Sattelstorch beobachten. Kurz bevor wir den Hauptkanal verlassen, halten wir an, um ein 5 Meter langes Krokodil zu beobachten, das unter hohen Papyruspflanzen liegt.
Nachdem ich ausgepackt und eine kurze Siesta am Pool gehalten habe, nimmt mich mein Reiseleiter Moruti Maibelo mit zu einem nachmittaeglichen Besuch am Flusspferdbecken. Wir fahren durch die gewunden und flachen Kanaele und halten dabei des oefteren an, um die Schoenheit der Vogelwelt und der Wasserlilien zu bestaunen. Nach einer letzten scharfen Wendung erreichen wir dann die grosse Lagune, die mehr als 100 Flusspferden einen Lebensraum bietet.
Diese Lagune ist einer der besten Plaetze im Okavango Delta, um Flusspferde zu beobachten. Selbst das National Geographic Filmteam will hier bald eine Unterwasser-Dokumentation drehen. „Ich hoffe sie wissen, wie gefaehrlich diese Tiere sind, bevor sie zu ihnen ins Wasser gehen“, sagt Moruti laechelnd. „In Afrika werden pro Jahr mehr Menschen von Flusspferden toetlich verletzt, als von allen anderen Tieren. Sie koennen allerdings auch unser Boot beschaedigen, wenn wir ihnen zu nahe kommen. Wir muessen sie also beobachten und aufpassen“, fuegt er hinzu, als er das Boot in der Naehe einer Gruppe von fuenf dieser riesigen Tiere positioniert.
Flusspferde koennen bis zu 6 Minuten unter Wasser bleiben. Ihre klobigen Koerper verschwinden oft unter der Wasseroberflaeche und dann bleiben uns nur ein paar Luftbblaeschen als Spur. Wir beobachten eine Stunde lang, wie sie uns im Blick behalten und ihre perlartigen, rosaroten Augen dabei genau an der Wasseroberflaeche herausschauen lassen. Ab und zu hieft eines seinen Koerper ein Stueck aus dem Wasser, roehrt laut und zeigt dabei die furchteinfloessenden Dimensionen seines Koerpers, seiner Zaehne und seines Kiefers.
Der Nachmittag verstreicht sehr schnell und wir erreichen die Xugana-Lagune rechtzeitig zum Sonnenuntergang. Es ist voellig windstill und die versprengten Wolken spiegeln sich im bewegungslosen Wasser. Die untergehende Sonne sinkt unter die Wolkenbaenke, so dass der grosse, rote Feuerball die Lagune in ein Becken fluessigen Goldes verwandelt.
Nach einem leckeren Abendessen auf der schwimmenden Plattform der Xugana Island Lodge unter dem Sternenhimmel schlafe ich tief und fest und wache am naechsten Morgen erfrischt auf. Dies wird mein letzter Tag in Botsuana sein. Kurz vor Sonnenaufgang brechen wir zu einer Wanderung auf der Sausage Island auf. Diese Insel hat ihren Namen, da auf ihr viele Leberwurstbaeume wachsen. Nicht ein Kraeuseln zebricht die spiegelglatte Wasseroberflaeche des Deltas als wir eine kleine Lagune in der Naehe der Insel erreichen. Wir sichern das Boot an Land und beobachten die Sonne, wie sie in einer, das Wasser in rosarote und purpurne Muster tauchenden Explosion aus Rottoenen aufgeht.
In dem angenehmen Morgenlicht laufen wir an riesigen Ahnen- und Mangosteenbaeumen vorbei, in deren Wipfeln eine Gruppe Paviane lautstark spielt. Wie ich so durch diese ungezaehmte Wildnis laufe, faellt es mir schwer vorzustellen, dass ich heute noch in den Laerm von Suedafrika zurueckfahren werde.
Als wir weiterlaufen, entdecken wir eine Giraffenfamilie, die uns aufmerksam beobachtet und dann elegant davonschreitet. Auf einer weiteren Lichtung steht ein einzelner Elefant auf seinen Hinterbeinen, um hoch oben in einem Leberwurstbaum Blaetter abzurupfen. In einer flachen Ueberschwemmungsebene beaeugen uns vorsichtig Riedboecke und Moorantilopen. Dann galoppieren sie durch die Ebene davon. |