Die Savute Safari Lodge im Chobe Nationalpark, Botsuana

Elefantenherde am Wasserloch in Savute.
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Die Savute Safari Lodge

Von Jeremy Jowell

Die kleine Cessna legt sich in eine Linkskurve, wodurch sich mir der Blick auf die offene Sumpflandschaft des Savute bietet. In der Ferne kann ich die gewundenen Umrisse der ausgetrockneten Kanaele erahnen. Tief unten steht ein einzelner Elefant an einem Wasserloch und trinkt.

Mein Flugzeug sinkt schnell und landet in einer Staubwolke auf der Sandpiste. Munihango Limbo, ein Safarireiseleiter der Savute Safari Lodge, wartet neben der Landebahn auf mich. Wir fahren durch tiefen Sand zur Savute Safari Lodge – einem luxurioesen Camp, das am Rande des trockenen Savute Kanals liegt. Dort werde ich von den Campmanagern Johan und Tanya Bruwer herzlich empfangen.

Die Safarilodge beherbergt maximal 24 Gaeste in schoen eingerichteten, strohgedeckten Chalets, die alle mit eigener Lounge, Badezimmer und einer hoelzernen Veranda ausgestattet sind. Von der Veranda aus blickt man auf das Wasserloch, an dem sich staendig Elefanten aufhalten. Die Savute Safari Lodge befindet sich im Chobe Nationalpark, einem der groessten Nationalparks in Afrika, der sich von Kasane im Norden Botsuanas bis zum Rande des Deltas im Sueden ueber ein Flaeche von 11.700 km² erstreckt.

Die Savute-Gegend ist ein magischer Ort. Allein die Fahrt an den Felsformationen vorbei durch die aussergewoehnliche Sumpflandschaft oder durch den trockenen Kanal mit seiner seltsamen Landschaft aus verkrueppelten Akazienbaeumen, laesst mich die Tragoedie und das Sterben erahnen, das ein staendiger Begleiter des Parks sein wird.

Die Gegend ist auch bekannt fuer ihre Elefanten. Die erwachsenen Bullen versammeln sich oft in grosser Anzahl zum Trinken an den kuenstlichen Wasserloechern. Die Elefanten in dieser Gegend sind im allgemeinen sanftmuetig, wodurch man ausgezeichnete Begegnungen aus naechster Naehe erleben kann.

Ausserdem ist die Savute-Gegend fuer ihr grosses Loewenrudel bekannt. Begegnungen mit Raubtieren sind fast garantiert. Man muss allerdings nicht zwangslaeufig auf eine Pirschfahrt gehen, um diese Raubtiere aus der Naehe betrachten zu koennen: Die Gaeste der Lodge muessen unter Umstaenden den Swimming Pool mit den ansaessigen Loewen teilen. „Sie kommen oft am fruehen Morgen, um im Gras zu spielen oder aus dem Pool zu trinken,“ erzaehlt Tanya. „Letzte Woche zum Beispiel sassen hier 19 Loewen alle in einer Reihe.“

„Sie spielen gerne mit Besen und manchmal kaempfen sie mit unserem Kreepy-Krauly-Reiniger, nachdem sie ihn aus dem Wasser gefischt haben. Aber wir wollen sie nicht reizen, indem wir sie fortjagen. Jetzt koennen Sie auch verstehen, warum Sie immer ein Reiseleiter zu Ihrem Zimmer begleiten wird.“ Limbo nimmt mich mit auf eine Sonnenuntergangstour zum Harvey's Pan, vorbei an Kalahari-Apfelblatt- und Mopanebaeume. Als die Sonne sich langsam dem Horizont naehert, erreichen wir Quarry Hill, ein bekanntes Jagdrevier fuer Leoparden. „Sie sollten immer Ihre Kamera bereithalten – unverhofft kommt oft!“ sagt Limbo. „Man weiss nie, was um die naechste Ecke auf Sie wartet und man muss oft schnell reagieren.“

Ein Stueckchen weiter sehen wir zwei schlafende Loewen unter einem Busch liegen. „Wir nennen sie die Flitterwochen-Loewen, da sie seit kurzem ein Paar sind,“ erlaert Limbo. „Sie paaren sich viermal in der Stunde eine ganze Woche lang.“ Die Loewen haben definitiv eine Ruhepause noetig und scheinen aus ihrem Schlummer nicht zu erwachen. Also fahren wir weiter zum Sonnenuntergang in die Pump Pan. Eine grosse Herde Elefanten, die von der untergehenden Sonne angestrahlt wird, trinkt friedlich an einem Wasserloch. Einige Schakale schleichen durch die Gegend und versuchen die Turteltauben zu fangen, die durch die Luft flattern.

Da es sehr kalt ist, als ich am naechsten Morgen noch vor Sonnenaufgang aufwache, ziehe ich mich warm an, bevor ich mich aus dem Zimmer wage. Nach einem kurzen Fruehstueck fahren wir in einem Allradfahrzeug los, um die Savute-Gegend zu erkunden. Die Sonne erscheint als eine duenne Scheibe am Horizont und wirft verzerrte Schatten von Kamelhornbaeumen auf die Sandpiste. Die fast unheimliche Landschaft ist in rosarotes Licht getaucht, als wir an der Pump Pan anhalten, um zwei Elefanten beim Morgentrunk zu beobachten.

Dann fahren wir weiter durch den Savute-Kanal, der 1982 austrocknete, da der Liyanti River kein Wasser mehr fuehrte. Tektonische Erdbewegungen werden den Zeitpunkt bestimmen, wann wieder Wasser in den Kanal und in das Sumpfgebiet fliessen wird. Sobald es etwas waermer wird, blaettern die Kleiderschichten langsam ab und bald schwitze ich in der Morgensonne.

Die Vogelwelt ist hier sehr vielfaeltig. Zu den Arten, die wir beobachten koennen, gehoeren Rotschnabeltoko, Rotbauchwuerger, Kapturteltaube, Gabelschwanzdrongo und Botsuanas Nationalvogel, die Gabelracke. Limbo ist eine gute Quelle fuer jegliche Informationen ueber Flora und Fauna und er haelt oft an, um Spuren im Sand zu untersuchen. Wir fahren am Bushman Paint Rock vorbei und erreichen dann das President Camp, ein abgelegenes Gebiet, wo der ehemalige Praesident von Botsuana, Sir Seretse Khama, oft erschien, um sein Zelt aufzuschlagen.

„Er liebte es, sich in der Natur aufzuhalten. Sein Sohn Ian Khama begeistert sich auch fuer Wildtiere. Er verbringt jedes Jahr einige Zeit in unserem Camp und ich war zweimal sein Reiseleiter. Er ist wirklich sehr sympatisch,“ meint Limbo und streckt die Daumen hoch. Wir fuehren unsere Tour durch den Wild Dog Vlei fort und halten an, um eine Familie Zwergmungos zu fotografieren, die sich auf einem Baumstamm sonnt. Ein Weissrueckengeier kreist in eleganten Spiralen ueber uns.

Nachdem wir an Peter's Pan und Leopard Rock vorbeigefahren sind, erreichen wir Marabou Pan, wo 14 Elefanten an einem kuenstlichen Wasserloch trinken. Die Elefanten in der Savute-Gegend sind bekanntermassen gutmuetig, so dass ich es wage auszusteigen, um sie in Bodenhoehe zu fotographieren. Ich krieche auf dem Sand bis auf sieben Meter heran. Die aussergewoehnlichen Tiere lassen sich von meiner Gegenwart nicht beirren und trinken und plantschen weiter. Auch ein hinzukommendes Warzenschwein laesst sich durch mich nicht stoeren.

Die naechsten zwei Stunden mache ich Fotos von den Elefanten und liege dabei mitten in ihrem Dung. Als wir das Auto naeher parken, betrachte ich die riesigen Leiber von dort aus. Es ist sehr ruhig in dieser Gegend und ich kann deshalb jedes ihrer Geraeusche hoeren. Letztendlich kann ich mich doch loseisen und wir fahren zum Lunch zur Lodge zurueck.

Die Mahlzeiten in der Savute Safari Lodge sind eine leckere Angelegenheit. Es gibt einen ausgezeichneten Nudelsalat, im Anschluss spanische Tortilla und Bobotie und als Beilage frisch gebackenes Maisbrot. Die Angebote variieren von Abend zu Abend. Mit das Beste aber ist ein Salat aus geraeuchertem Strauss, Perlhuhneintopf, Wildbraten und Seswaa, eine koestliche, traditionelle Speise aus gestampftem Rindfleisch mit Maisgries, Bohnen, Wildspinat und Butternuss.

Am naechsten Morgen werde ich von einem ohrenbetaeubenden Bruellen geweckt. Vier Loewen des Rudels streifen durch den Kanal direkt vor meinem Zimmer. „Vor einigen Minuten waren sie noch am Pool,“ sagt Limbo mit einem breiten Laecheln als er in mein Zimmer kommt, um mich zum Fruehstueck zu begleiten. „Einer von ihnen lief bis zur Boma hinaus und hat die Abdeckung der Gartenbeleuchtung heruntergerissen.“ Die ersten Sonnenstrahlen fallen auf die Akazien, als wir bei Sonnenaufgang zu einem erneuten Ausflug aufbrechen. Schon nach kurzer Zeit wird ueber das Funkgeraet die Sichtung eines grossen Loewenrudels in der Naehe der Bushman-Zeichnungen gemeldet.

So schnell wie moeglich fahren wir dorthin und sehen 14 Loewen in der Sonne schlafen. Darunter befinden sich ein grosses Maenchen und vier Jungtiere. Sie liegen direkt neben der Strasse, so dass ich die naechsten zwei Stunden mit Beobachten verbringe. Von Zeit zu Zeit wacht einer auf, leckt sich das Fell, dreht sich um und beginnt von neuem zu schnarchen. Die Kleinen moechten spielen, aber das erwachsene Maennchen ist nicht in der Stimmung und schiebt sie mit seiner riesigen Pranke fort.

Als es langsam heisser wird, streckt sich eine Loewin und laeuft an unserem offenen Auto vorbei, um sich in den Schatten eines Busches zu legen. Nach und nach folgt der Rest des Rudels und mir stockt der Atem, als sie nur einige Meter vom Fahrzeug entfernt vorbei laufen. Ein neugieriges Jungtier schnueffelt an der Stossstange, um erst dann zu seinen Kameraden zu stossen. Dann endlich erhebt sich das Maenchen, richtet seinen Blick auf das Auto und gaehnt, wobei es uns seine furchterregenden Reisszaehne offenbart. Dann steht es auf und schreitet allein majestaetisch die Strasse hinunter. Hier in Afrika regieren allein die Loewen.

Copyright © 2003 Jeremy Jowell. Alle Rechte vorbehalten. Die Weitergabe oder Vervielfaeltigung dieser Publikation oder von Teilen daraus ist ohne Genehmigung des Autors nicht gestattet.

Uebersetzung ins Deutsche: Christian Kriele