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Kleine Nebenfluesse und sumpfige Ueberschwemmungsebenen glitzern in der Sonne, als wir in geringer Hoehe darueber hinwegfliegen, um dann auf der holprigen Xakanaxa Landebahn zu landen. Die Fluege in Botsuana werden normalerweise auf die Mittagszeit gelegt, damit sie sich nicht mit den besten Tageszeiten fuer Tierbeobachtungen ueberschneiden. Heute morgen noch hab ich mir den Sonnenuntergang in Savute anschauen koennen und spaeter werde ich den Sonnenuntergang in Moremi mitbekommen.
Von der unbefestigten Landebahn ist es nicht mehr weit bis zum Camp Moremi – einer luxurioesen Lodge, die wunderschoen an der Xakanaxa-Lagune gelegen ist. Die Lodge beherbergt maximal 22 Gaeste in geschmackvoll eingerichteten, ostafrikanischen Safarizelten. Sie verfuegt ebenso ueber eine Lounge, einen Speiseraum, eine Buecherei mit Literatur ueber Wildtiere und eine Cocktailbar in einem erhoehten und eleganten Gebaeude, das aus Stroh um riesige Ebenholzbaeume herum errichtet wurde. Das Gelaende ist gruen, sehr weitlaeufig und umfasst einen Swimming Pool, ein Sonnendeck, Haengematten und eine erhoehte Beobachtungsplattform mit Blick auf die Lagune.
Nach dem Mittagessen und einem erfrischenden Bad im Swimming Pool breche ich zu einer Sonnenuntergangstour auf. Mit dabei ist ein britisches Paar, das auch sehr gerne fotografiert. Unser Reiseleiter Jaco Tlotlego steuert uns durch eine waldige Gegend mit Mopane-, Leberwurst-, Schakalbeeren- und Regenbaeumen. Hier am Rande des Deltas wechselt die Vegetation staendig ihre Gestalt. Waelder, typische Flusslandschaften, offenes Grasland und saisonale Ueberschwemmungsebenen formen zusammen eines der schoensten Wildreservate in Afrika.
Wir entdecken einen einzelnen Geparden, der allerdings schnell davonlaeuft und obwohl wir versuchen ihm zu folgen, verlieren wir ihn schnell aus den Augen. Ganz in der Naehe grast friedlich eine Herde Zebras – Botsuanas Nationaltier. Als das Licht etwas daemmriger wird, entdecken wir zwei Loewinnen. Da sie ihre Ohren gespitzt haben und die Koepfe nach vorne strecken, wissen wir, dass sie irgendetwas vorhaben. Also folgen wir ihnen bis zum Sonnenuntergang in der Hoffnung, eine Jagd miterleben zu koennen. Die Loewinnen jedoch scheinen es nicht sehr eilig zu haben und legen sich bald hin, um sich auszuruhen. Loewen jagen bevorzugt im Dunkeln.
Ein weiterer Tag im Koenigreich der Tiere in Afrika bricht an. Mein Koerper hat sich nun endlich an den Rhythmus der Safari gewoehnt und ich wache vor dem Wecker auf. Es ist sehr kalt in der Zeit vor der Daemmerung und ich muss mich warm anziehen. Ein T-Shirt, Strickjacke, Fotografenjacke, Fleece-Jacke, Shorts, eine Trainingshose, feste Schuhe und eine Wollmuetze - ich bin bereit der Kaelte entgegenzutreten. Jaco faehrt uns den sandigen Pfad hinab an der Landebahn vorbei und wir halten an, um uns den Sonnenaufgang hinter weit enfernten Mopanebaeumen anzuschauen.
Zwei Kudus essen die leuchtend roten Blueten von einem Katzenkrallenbaum und eine Gruppe Paviane spielt frech miteinander auf einem Baumstamm. Einige suchen unter Steinen nach Skorpionen, andere lausen sich gegenseitig und die niedlichen Jungtiere rollen kaempfenderweise ueber den Boden. Wir erreichen ein kleines Wasserloch, in dem sich hunderte von grossen Katzenwelsen im Schlamm waelzen. „Dieses Wasserloch trocknet schnell aus und die Fische versuchen alle am Grund zu bleiben, damit sie nicht als erstes von dem Seeadler gefressen werden, der da im Baum sitzt,“ sagt Jaco.
Als wir durch eine flache Ueberschwemmungsebene fahren bleiben wir ploetzlich im Schlamm stecken. Jaco ruft per Funk das andere Fahrzeug zur Hilfe und sie versuchen das Auto mit einem Abschleppseil rueckwaerts freizubekommen. Es funktioniert nicht und sie versuchen es deshalb von vorne. Die Motoren heulen und Schlamm fliegt durch die Luft, aber die Raeder graben sich nur noch tiefer in den Schlamm. Ein Elefant kommt hinzu, um zu schauen, was hier los ist, aber als er zu nahe kommt, schreit Jaco und jagt ihn davon. Die Reiseleiter bocken das Fahrzeug auf, um Stoecke unter die Reifen schieben zu koennen, damit sie besser greifen. Nach fuenfundvierzig Minuten und viel durch die Luft fliegendem Matsch kommen wir endlich frei.
Bei den Magwegana Pools sonnen sich 20 bis zu 6 Meter lange Krokodile am Ufer. Ich krieche auf dem Bauch etwas naeher, aber sie sind noch immer nicht in Reichweite meiner Kamera, als sie mich wahrnehmen und ins Wasser gleiten. Das beste Bild, dass ich machen kann, ist von einem Stelzenlaeufer. Es ist fast Mittag, als wir zur Lodge zurueckkommen. Nach einem koestlichen Lunch mit Nudelsalat und kaltem Fleisch, schwimme ich ein wenig im Pool und entspanne mich dann mit Lesen. Im Anschluss halte ich ein kleines Schlaefchen in der Haengematte, von der aus man einen schoenen Blick auf die Lagune hat.
Nach Kaffee und Kuchen ist es Zeit fuer eine weitere Pirschfahrt. Er wird mein letzter Ausflug dieser Art sein, da ich morgen ins Delta fliegen werde, wo die Fahrten normalerweise auf dem Wasser stattfinden. Als die Sonne untergeht, stossen wir auf zwei maenliche Loewen, die im hohen Gras liegen. „Es sind Brueder,“ sagt Jaco. „Erwachsene Maenchen bleiben normalerweise fuer sich, es sei denn, sie sind mit einem Familienmitglied unterwegs.“
Einer der Loewen schlaeft tief und fest, der andere mit einer sehr struppigen Maehne jedoch ist hellwach und wachsam. Sein Augen folgen jeder unserer Bewegungen. Solange wir allerdings regungslos im Fahrzeug bleiben, kann uns der Loewe nicht ausmachen, da er nur die Form des Autos erkennen kann und nicht die Details. Als Regel in einem offenen Fahrzeug gilt, dass man schauen, ruhig sein und sich nicht bewegen sollte.
Die Lichtverhaeltnisse sind perfekt und wir verbringen einige Zeit damit, Fotos von den aufmerksamen Grosskatzen zu machen, bis die Britin ploetzlich herumspringt, um einen besseren Blickwinkel zu bekommen. „Das wuerde ich nicht tun, wenn ich Sie waere,“ fluestere ich ihr zu. „Dieser Loewe ist bereits gereizt ... und schauen sie mal, wie er sie jetzt beobachtet.“
Der Loewe sitzt nur 10 Meter entfernt, spitzt seine Ohren und sein Schwanz peitscht hin und her. Dann laesst er ein warnendes Bruellen vernehmen. Dieser Loewe ist eindeutig veraergert und will uns nicht in seiner Naehe haben. Wir haben unwissentlich in einer prikaeren Situation angehalten - ein Loewensandwich - mit dem Bruder, der ganz nahe auf der anderen Seite liegt. Zehn Meter sind fuer einen Loewen keine weite Distanz. „Die Situation ist nicht sehr rosig,“ sagt Jaco. „Wir haben auf felsigem Untergrund angehalten und es wird nicht leicht sein, schnell davon zu kommen. Dieser Loewe ist wuetend. Wir muessen uns sofort zurueckziehen.“
Wir fahren rueckwaerts und dann um den schlafenden Loewen herum, der mit dem Ruecken gegen einen Laubhaufen gelehnt daliegt. Dann, und diesen Moment werde ich nie vergessen, waelzt er sich auf die andere Seite und starrt mit dem einen sichtbaren Auge direkt in meine Linse. Nach einem Sundowner auf einer offenen Ebene fahren wir bei Anbruch der Nacht zum Camp zurueck.
Ploetzlich erfassen unsere Scheinwerfer eine vertraute Gestalt. Langsam und stolz schreitet der veraergerte Loewe mit der struppigen Maehne die Sandpiste hinab, nur einige Meter entfernt von unserem Fahrzeug. Voellig unbeteiligt laeuft er direkt an mir vorbei, ohne mich nur eines Blickes zu wuerdigen und verschwindet in der Dunkelheit.
Spaeter in meinem Zelt schalte ich das Licht aus und es wird dunkel und ruhig. Ploetzlich hoere ich in der Naehe der Lagune ein Flusspferd grunzen und in der Ferne das schrille Gickeln einer Hyaene. Und dann, wie ein entferntes Donnergrollen, ertoent das maechtige Bruellen eines Loewen. Waehrend ich den Klaengen Afrikas lausche, schlafe ich langsam ein. |