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Wir halten unterwegs im Tuli Block an, wo unsere Reisepaesse gestempelt werden. Bei der Landung in Kasane ist es heiss und feucht. Ganz in der Naehe liegt der Grenzuebergang Kazungula, wo die vier Laender Botsuana, Sambia, Namibia und Simbabwe zusammentreffen. Ein Mitarbeiter von Desert and Delta Safaris holt mich am Flughafen ab und schon wenig spaeter betreten wir den Chobe Nationalpark.
Der Chobe Nationalpark ist einer der groessten Nationalparks in Afrika. Er dehnt sich ueber eine Flaeche von 11.700 km² aus: von Kasane an der nordoestlichen Grenze des Landes bis zum Moremi Game Reserve im Suedwesten. Ich befinde mich hier oben im Land der Elefanten. Der Chobe Nationalpark bietet 45.000 dieser erstaunlichen Tiere einen Lebensraum. Die Gegend ist ebenso bekannt fuer eine Fuelle anderer wildlebender Tiere, darunter viele Raubtiere wie beispielsweise Loewen, Leoparden, Geparden und Wildhunde. Nach den Regenfaellen wandern Bueffel, Gnus und Zebras in den Sueden, gefolgt von grossen Loewenrudeln. Einige Monate spaeter, wenn die Wasserloecher ausgetrocknet sind, machen sie sich auf den Rueckweg zu den Fluessen im Norden.
Im Gebiet des Chobe Rivers kann man ganzjaehrig gute Tierbeobachtungen machen. Einige der groessten Elefantenherden der Welt kommen hier taeglich zum Trinken an den Fluss. Es gibt grosse Mengen Flusspferde; manche Krokodile werden hier bis zu 6 Meter lang. Auch die Vogelpopulation ist mit ueber 450 identifizierten Arten enorm.
Als wir durch die fast unheimliche Gegend mit abgestorbenen Akazienbaeumen fahren, treffen wir auf einige Bueffel, die an einem Wasserloch trinken. Wenig spaeter, als wir um eine Kurve fahren, taucht der majestaetische Chobe River auf. Die vergangenen heftigen Regenfaelle in Angola haben den Fluss ueberschwemmt. Der Fluss und die Ueberschwemmungsebenen haben den hoechsten Stand seit Jahren erreicht, so dass der Chobe River an manchen Stellen einem See gleicht.
Die Chobe Game Lodge ist die einzige staendige Safarilodge innerhalb des Parks. Sie verfuegt ueber 46 luxurioese Suiten mit eigenem Badezimmer und befindet sich in einem ruhig gelegenen Garten, in dem man des oefteren grasende Warzenschweine beobachten kann. Bekannt wurde die Safarilodge, als Richard Burton und Elizabeth Taylor beschlossen, sich hier das Jawort zu geben.
Nachdem ich ausgepackt habe, ist es Zeit fuer eine Sonnenuntergangsfahrt. Die Vielfalt der Vogelwelt ist wirklich erstaunlich. Es dauert nicht lange, bis ich Kampf- und Schreiseeadler, Nilgaense, Reiher, einen Sattelstorch und die farbenpraechtigen Scharlachspinte gesehen habe. Die Sonne geht langsam unter und taucht die Wasserlandschaft in ein warmes Licht. Umrahmt von Baeumen sehe ich in der Ferne die Silhouette eines Elefanten, der durch ein flaches Gewaesser watet.
Jedes Abendessen in der Chobe Game Lodge ist ein gastronomischer Hochgenuss. Als Vorspeise kann man zwischen Camenbert in Blaetterteig, Avocado, einem mit gruenem Paprika scharf gewuerzten Meeresfruechtegericht oder einer Gemuesesuppe mit Croutons waehlen. Der Hauptgang ist etwas komplizierter, da man aus sieben Gerichten waehlen kann, die einem allesamt das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Ein Schmorbraten vom Hirsch in Rotwein-Preiselbeersosse, gebratenes Perlhuhn mit Wildbeeren in Ingwersosse, gegrillte Krokodilspiesschen oder mosambikanische Garnelen; Filet einer Brasse aus dem Chobe River, gebratene Entenbrust in einer Mango- und gruener Pfefferkornsosse. Zu guter Letzt steht noch ein Kudufilet in einer eingedickten Wein- und Balsamicososse zur Auswahl. Nach reiflicher Ueberlegung entscheide ich mich fuer das Perlhuhn - es schmeckt ausgezeichnet!
Am naechsten Morgen stehe ich sehr frueh auf, um bei Sonnenaufgang an einer Pirschfahrt teilzunehmen. Der Name meines Reiseleiters ist Leonard Kasale; er arbeitet bereits seit vier Jahren fuer die Chobe Game Lodge. Wir fahren auf einer staubigen Strasse los. Im Westen wechselt der Himmel seine Farbe langsam von schwarz zu einem dunstigen Blau. Wenn ich nach Osten schaue, sehe ich eine duenne rosarote Linie, die das Morgengrauen ankuendigt. Der Chobe River wird blutrot und dann geht die Sonne auf und badet die Landschaft in ein warmes, orangenes Licht. Wir halten an, um einen Graureiher zu fotografieren, als ueber Funk ploetzlich die Sichtung einer Gruppe Wildhunde weiter unten am Ufer gemeldet wird.
Als wir in den Puku Flats ankommen, sehen wir die Hunde am Wasser entlangschreiten. Ein verletztes Impala bewegt sich verzweifelt in der Naehe des Ufers. Die Hunde hatten den Bock angegriffen und ihn ins Wasser gejagt, wo es wohl um die 20 Minuten schwimmen musste. Urploetzlich verschwinden sie und der voellig zerupfte Impalabock schwankt an Land um dann ins Gebuesch zu stolpern. Minuten spaeter kommen die Hunde zurueck und nehmen die Faehrte auf. In diesem verletzten Zustand ist der Impala nicht viel mehr als eine schnelle Mahlzeit.
Ein Stueckchen weiter am Fluss badet und trinkt eine Herde Elefanten. Verspielte Elefantenkaelber stubsen ihre Muetter an und lassen sich von unserer Gegenwart scheinbar nicht stoeren. Ein 20 Jahre alter Bulle kommt bis auf 2 Meter an das Auto heran, um es genaustens zu inspizieren. „Er ist nicht gereizt, sondern nur neugierig. Sie kommen oft so nahe heran, bleib also ganz ruhig und mach keine schnellen Bewegungen,“ fluestert Leonard.
Ich staune bei dem Anblick dieser wunderschoenen Kreaturen, die sich freundlich anrempeln und mit ihren schlangenartigen Ruesseln Wasser aufsaugen. Manche bespruehen sich mit Dreck und zwei hoechstens 3 Monate alte Kaelber kaempfen im Schlamm.
Nach dem Mittagessen und einer kleinen Siesta am Pool fahr ich wieder los, um mit Leonard eine Sonnenuntergangstour zu machen. Als wir ueber die sandige Strasse holpern und an kahlen Akazienbaeumen und Flaechen glitzernden Wassers vorbeifahren, offenbart sich die ganze Schoenheit des Chobe Rivers. In dem angenehmen Licht beobachten wir Giraffen und Kudus beim Grasen. Dann marschiert eine Elefantenherde von ungefaehr 40 Tieren zum Trinken an den Fluss.
Die Landschaft ist jetzt in ein goldenes Licht getaucht. Eine riesige Bueffelherde mit mehreren hundert Tieren naehert sich; die Sonne strahlt von hinten ihre massigen Koerper an. Im afrikanischen Busch ist der Bueffel eine Legende, denn es gibt nichts Gefaehrlicheres als einen einzelnen Bullen. Die Tiere glotzen uns starr an. Dann gehen sie langsam ans Wasser herunter, um ihren Durst zu loeschen. Alles ist ruhig am Fluss und die Sonne verschwindet in einem Spektakel aus Lila- und Rosatoenen. Eine Nilgansfamilie schwingt sich in die Luefte, waehrend 15 Flusspferde regungslos und halb bedeckt im Wasser liegen.
Dann urploetzlich ist die Hoelle los. Ein grosses Flusspferd richtet sich auf, oeffnet sein riesiges rosarotes Maul und bruellt laut. Die komplette Bueffelherde bricht in eine panikartige Flucht aus und verschwindet hinter uns in einer Staubwolke. Ihre donnernden Hufen duchbrechen die Stille der afrikanischen Nacht. Ich bin ganz gebannt von diesem unglaublichen Schauspiel – aber das soll noch nicht alles gewesen sein. Auf der Rueckfahrt sehen wir im Dunkeln ein Rudel von zehn Loewen direkt neben der Strasse sitzen. Wir fahren zur Lodge zurueck und obwohl Leonard schon seit vier Jahren fuer den Chobe Nationalpark arbeitet, ist er genauso aufgeregt wie ich.
„Das war wirklich eine aussergewoehnliche Pirschfahrt,“ sagt er und laechelt. „Wir haben ein paar schoene Beobachtungen machen koennen und wir hatten einen wunderschoenen Sonnenuntergang. Aber die Flucht der Bueffel mit all dem Laerm und Staub war das Beste von allem.“ Ich bin noch immer ganz gebannt und kann deshalb nur sein Laecheln erwidern und seine Worte mit einem freundschaftlichen Nicken bestaetigen. |